Das Konfirmandenhaus in Ortenburg

 

 

Zur Evangelischen Realschule in Ortenburg gehören zwei Internatsgebäude, von denen das eine bis heute den Namen  "Konfirmandenhaus" trägt.

Auch wenn offenbar Schülerinnen und Schüler aller Generationen salopp, etwas respektlos vielleicht,  aber dennoch liebevoll von ihrer „KO“ gesprochen haben, prangt bis heute der volle Name an der Ostfassade des Gebäudes.

Die ursprüngliche Funktion solcher „Konfirmandenanstalten“ geraten wohl immer mehr in Vergessenheit.

 

Dabei berührt die Geschichte dieses Hauses  mehr als ein bisschen Lokalgeschichte. Sie erinnert an große  konfessionelle Nöte des 19. Jahrhunderts, die Minderheitschristen in der Diaspora zu ertragen hatten.

 

Zur Vorgeschichte

 

Die Anfänge liegen mehr als 100 Jahre zurück.

1887 war der bayerische  Gustav-Adolf-Hauptverein –das Diaspora-Liebeswerks der Evangelischen Kirche–  in Nürnberg Gastgeber der Hauptversammlung aller deutschen Vereine gewesen. Eine sehr beträchtliche Summe an „Festgaben“ wurde gesammelt. Nach  Abzug aller Kosten blieb ein Überschuss von 2155,— Mark. Auf Antrag von Stadtpfarrer Nagel (Nürnberg) beschloss man, die Summe als Grundstock für die Gründung einer bayerischen Konfirmandenanstalt zu bestimmen, wie es deren damals in anderen Landeskirchen schon zehn gab. Sie sollte vor allem den evangelischen Kindern der Oberpfalz und Niederbayerns zugute kommen.

 

Wozu brauchte man eine Konfirmandenanstalt in Ostbayern?

Die Lage der evangelischen Kinder dieser Region schilderte Pfarrer Nagel 1891 vor der Gustav-Adolf-Vereinsversammlung in Schweinfurt:

 

„Vor mehreren Jahren kam eine Frau zu mir mit der flehentlichen  Bitte: „Raten, helfen Sie mir!“ Sie war eine geborene Nürnbergerin, gute Protestantin, hatte zwar einen katholischen Mann geheiratet, aber protestantische Kindererziehung ausbedungen, und war durch den Beruf ihres Mannes seit mehreren Jahren in einem ganz katholischen Städtchen der Oberpfalz festgehalten. Sie hatte zwei Töchter, welche zunächst die von katholischen Schulschwestern geleitete Volksschule des Ortes besuchen mussten. Katechismus und biblische Geschichte hatte ihnen die Mutter selbst nach Möglichkeit beigebracht. Als die ältere Tochter 11 Jahre alt geworden war, hatte der Vater dem Drängen der Mutter nachgegeben und dieselbe, hauptsächlich des ordentlichen Religionsunterrichts willen, in die Schule des Ludwigseminars in Memmingen gebracht. Aber das hatte trotz aller dortigen Erleichterungen doch mehr gekostet, als das Einkommen des Mannes ertragen konnte. Jetzt stand die zweite Tochter vor dem Präparandenalter. Der katholische Vater erklärte, dass er unmöglich noch einmal eine so große Summe aufbringen könne, wie für die ältere Tochter. Die klösterlichen Schulschwestern ließen wissen, sie wollten recht gerne das Kind in ihre höhere Töchterschule aufnehmen und vollständig unentgeltlich bis zur Lehrerin ausbilden, unter der einen Bedingung natürlich, dass sie von nun an vollends katholisch erzogen werde. „Raten, helfen Sie mir“, rief die Frau in ihrer Herzensangst, „dass mein Kind in einen evangelischen Unterricht gebracht werden kann unter solchen Bedingungen, welche ich erschwingen kann, sonst kann ich dem Verlangen meines katholischen Mannes nicht mehr lange widerstehen.““ 

 

Besonders die ärmeren evangelischen Familien in der bayerischen Diaspora befanden sich in einer Notlage. Nur hier und da wurden die Kinder durch Pfarrer oder Reiseprediger „wenigstens für die Zeit des Konfirmandenunterrichtes“ gastweise in evangelischen Familien untergebracht.

Auch handelte es sich vornehmlich um die Not von Familien auf dem Lande:

Da meldete sich beispielsweise ein Schäfer, ein geborener Württemberger von einem oberpfälzischen Gute, das 55 km vom nächsten Pfarrsitze entfernt lag. Er habe 10 Kinder und monatlich 20 Mark Gehalt, er bitte um Aufnahme zweier seiner Kinder in die Konfirmandenanstalt. Gleiches wünschte sich ein Stationswärter auf einer landschaftlich herrlichen Station des bayerischen Waldes, aber 83 km vom nächsten Pfarrsitze entfernt. Ein Gutsverwalter, mitten drinnen im bayerischen Walde, geborener Norddeutscher, dessen beide Brüder Geistliche waren, klagte, dass seine Kinder bisher in der seinem Gute benachbarten Schule nur katholischen Unterricht empfangen hätten und er bat, „ihm die Möglichkeit zu schaffen, dieselben im evangelischen Glauben zu gründen.

 

Nagel schlug daher vor, den Standort für ein Konfirmandenhaus auf dem Lande zu suchen. Außerdem bestehe das Bedürfnis in erster Linie für Niederbayern und die Oberpfalz. Der zu findende Standort für ein Konfirmandenhaus müsse in der Nähe einer Bahnstation sein und die betreffende Gemeinde müsse gewährleisten, „dass die Kinder ein volles evangelisches Leben mitleben und von einem evangelischen Geiste umweht sind..“

Nagel weiter:  „Ich vermag keinen Namen eines Ortes zu nennen, welchen ich im Auge hätte. Dazu bin ich zu wenig im Lande bekannt. Ich möchte rufen: „Freiwillige vor!“ Wo ist der bayerische Pfarrer, der gemeinschaftlich mit seinem Lehrer im Vertrauen auf den Herrn es wagen will mit der Einladung: „Lasset es uns versuchen in Gottes Namen!““

Da kam im Jahr 1892 das Angebot aus Ortenburg, ein stattliches Haus, das von der Marktgemeinde eigentlich als Krankenhaus gekauft worden war, zu einem jährlichen Mietzins von 200 Mark für diesen Zweck zur Verfügung zu stellen.

 

Bei dem Gebäude handelte es sich um jenes Haus, das bis heute von der Arbeiterwohlfahrt in der Lindenallee als Alten- und Pflegeheim betrieben wird.

 

Der Ortenburger Pfarrer Schwindel hatte zuvor in einem Brief auf seine Gemeinde besonders aufmerksam gemacht: „Ortenburg ist die einzige Gemeinde in ganz Niederbayern, welche seit der Reformation ihr evangelisches Bekenntnis bewahrt hat. Sie hält dasselbe auch heute noch hoch. Es ist ein freundlicher Markt in sehr fruchtbarer Lage mit einer gewerbsfleißigen und Ackerbau, besonders auch Obstbau treibenden Bevölkerung, mit einfachen und billigen Verhältnissen, hat 2 Geistliche, 2 Lehrer, Arzt und Apotheke im Orte.“

 

Am 9. Juni 1892 tagte der bayerische Gustav-Adolf-Verein in Augsburg und fasste den Beschluss, „in Gottes Namen die bayerische Konfirmandenanstalt in Ortenburg in Niederbayern zu errichten und noch im heurigen Jahre zu eröffnen.“

Die Pflegschaft übernahm zunächst der "Frauen- und Jungfrauen-Verein zur evangelischen Gustav-Adolf-Stiftung in Nürnberg" unter der Leitung von Pfarrer Nagel.

 

 

Die Eröffnung

 

Am 25. Oktober 1892 wurde die Anstalt in der Lindenallee für 24 Kinder feierlich eingeweiht.

Die Verantwortung vor Ort übernahmen neben Pfarrer Schwindel der Kaufmann Bachmeyer und die Schnittwarenhändlers-gattin Koch.

 

 § l der Satzung von damals sagt, was genau man beabsichtigte:

 

 §  l.

Die  in Ortenburg  errichtete  bayerische Konfirmandenanstalt ist bestimmt, evangelische Kinder der bayerischen Diaspora, zunächst von Oberpfalz und Niederbayern, behufs Erteilung eines ausreichenden Religions- und Konfirmandenunterrichts aufzunehmen und  während ihres Aufenthalts geistig und  leiblich zu verpflegen. 

Sie gliedert sich dem in Ortenburg bestehenden Kirchen- und Schulwesen ein und rechnet auf die  freundliche Beihilfe der  dortigen Geistlichen und Lehrer.

 

Das Gebäude beschrieb das Evangelische Sonntagsblatt aus Bayern damals so:

„Das Haus ist eines der höchstgelegenen des Marktes Ortenburg und liegt am Fuße der prächtigen, Jahrhunderte alten Lindenallee, welche zum Schlosse empor führt.(Anmerkung: Die heutige katholische Pfarrkirche existierte damals noch nicht.)  Es ist massiv und gut gebaut, hat vor dem Eingange einen Obst- und Gemüsegarten, im Hofe Holzlege und geräumige Waschküche. Im Hochparterre befindet sich links das geräumige Wohn- und Arbeitszimmer der Kinder, daneben die Küche und die Speisekammer, rechts der geräumige Schlafsaal der Knaben mit 10 Betten und großem Waschtisch, daneben die Wäschevorratskammer, dann das Wohnzimmer der Hauseltern, ein Reservezimmer für 4 Kinder und ein Krankenzimmer mit 2 Betten…“

 

Das Tagesregelement für einen Zögling damaliger Zeit war zumindest in der Hausordnung straff formuliert:

 

„Die Tageseinteilung ist folgende:

1)      im Winter um 6 Uhr, im Sommer um halb 6 Uhr aufstehen, ankleiden, waschen, Herrichten des Schlafsaales, Säubern der Kleidung, Holz- und Wassertragen usw.;

2)      halb 7 bzw. 6 Uhr Morgenandacht (Bibellektion und Gebet), darauf Frühstück;

3)      Wiederholen des abends zuvor angeeigneten Memorierstoffes;

4)      Im Winter 8-10, im Sommer 7-10 Uhr Schule;

5)       Im Winter 10-11 Uhr Konfirmanden- und Präparandenunterricht, im Sommer freie Zeit oder außerordentliche Nachhilfe;

6)      11 Uhr Mittagessen, darauf freie Zeit, soweit die Kinder nicht beim Abspülen und Aufräumen beschäftigt werden;

7)      12-2 Uhr Schule;

8)      2-3 Uhr für die Mädchen Handarbeit, für die Knaben Garten- und Feldarbeit;

9)      um 3 Uhr Vesperbrot;

10)  die Zeit von 3 ½ bis 6 ½ Uhr abends ist der Fertigung der Hausaufgaben, häuslichen und landwirtschaftlichen Arbeiten und der Erholung gewidmet und wird je nach der Jahreszeit so eingeteilt, dass mindestens 1 ½ Stunden den Hausaufgaben und 1 ½ Stunden der körperlichen Bewegung im Freien gewidmet sind. Turnen und baden werden nach Möglichkeit geübt;

11)  um 6 ½ Nachtessen;

12)  nach dem Abendessen Hausarbeiten, freie Beschäftigung und Spiele unter Aufsicht;

13)  im Winter um 8 Uhr, im Sommer um 8 ½ Uhr Abendandacht (Gesang, Bibellektion und Gebet) und Bettgehen.“

 

Die Konfirmandenanstalt Ortenburg war eine rein konfessionelle Bildungseinrichtung. Dennoch oder gerade deswegen betonte man schon damals, mit ihr nicht konfessionelle Gegensätze verschärfen zu wollen. „Denn erfahrungsgemäß erfreuen sich diejenigen evangelischen Christen, welche in treuer Überzeugung ihres Glaubens leben, in den meisten Fällen der Achtung ihrer katholischen Umgebung. Aber diejenigen, welche nur den Namen von Protestanten hervorkehren, innerlich aber religiös gleichgültig sind, pflegen durch ihre absprechenden Bemerkungen oder ihr verletzendes Verhalten die Feindschaft der andersgläubigen Umgebung herauszufordern, wenn sie nicht um anderer Vorteile willen ihren Glauben vollständig verleugnen.“

 

Am 17. September 1894 übernahmen Augsburger Diakonissen die erzieherische Verantwortung für die Kinder im  Konfirmandenhaus.

 

Bis zum 16 Juli 1970 haben die Diakonissen Charakter und Bild der Marktgemeinde Ortenburg mit geprägt.

 

Bereits drei Jahre nach der Einweihung der Konfirmandenanstalt mussten mehr und mehr Bitten um Aufnahme wegen Platzmangels abgeschlagen werden. Gleichzeitig wurde die Ortenburger Gemeindeverwaltung gedrängt, das Anstaltsgebäude seinem Zwecke als Krankenhaus zuzuführen.

 

Der Neubau

 

So entschloss man sich zu einem Neubau und beauftragte den Münchener Architekten Carl Lemmes mit der Planung eines Gebäudes für nunmehr 40 Plätze.

Es entstand "ein ganz stattliches Gebäude, welches ohne allen Luxus in seiner äußeren Gestaltung doch das schönste und größte Gebäude im Markte Ortenburg ist", - so berichtete damals das Nürnberger Evangelische Gemeindeblatt.

 

Am 6. Oktober 1897 wurde mit Gästen aus fast allen Teilen Bayerns das neue Haus durch Oberkonsistorialrat Dr. Burger - München, eingeweiht.

 

Im 6. Jahresbericht kann man lesen:

„Das Haus ist ein einfacher aber stattlicher

Backsteinrohbau, welcher auf einer Anhöhe nahe bei Kirche und Pfarrhof gelegen stundenweit sichtbar ist und in das Bild des Marktes einen so charakteristischen Zug einträgt, dass künftig niemand Ortenburg ohne das Konfirmandenhaus wird denken können.“

 

Das Evangelische Gemeindeblatt für den Dekanatsbezirk München schrieb in seiner Nr.11 im November 1897 über das Konfirmandenhaus: „ein Wahrzeichen evangelischer Glaubensthat und evangelischen Liebeseifers von freier Höhe weit über Berg und Thal hinausblickt auf fruchtbare Gefilde altbayerischen Landes: ein Eben-Ezer göttlicher Gnade.“

 

 

Die  Tradition der Liebesgaben

 

Von der bayerischen Konfirmandenanstalt bräuchte heute niemand mehr zu reden, wenn es nicht von Anfang an eine breit angelegte Unterstützung durch protestantische Christen aus Nah und Fern gegeben hätte.

 

Bereits im ersten Jahresbericht werden neben den Gaben von den bayerischen Gustav-Adolf-Vereinen auch die von den außerbayerischen aufgeführt, Gaben aus Berlin. Cöln, Leipzig, Oldenburg, Schmalkalden, Weimar oder Zittau.

 

Besonders bekannt gemacht hat man das Ortenburger Werk stets unter den Konfirmanden. So liegt uns ein solcher Aufruf aus dem Jahre 1938 vor, in dem Pfarrer Dr. Adolf Harte sich an diese wendet und schreibt: „… Doch nun werdet Ihr fragen: Wer zahlt denn das alles? Da ist es nun immer so gewesen, daß nach den Worten des Apostels Einer des Anderen Last getragen hat: Die Konfirmanden und Präparanden im evangelischen Lande haben immer wieder gerne ein Scherflein geopfert, damit die Mitkonfirmanden in den weiten Diasporagebieten unserer Landeskirche nach Ortenburg ins Konfirmandenhaus kommen und auch einen gründlichen evangelischen Religionsunterricht bekommen können. …“

 

Geradezu rührend mutet die Aufstellung der so genannten „anderweitigen Gaben“ an, die aber ebenfalls die breite Solidarität und den besonderen Rückhalt in der Gemeinde Ortenburg  zeigt, die dem Werk seine Stabilität verliehen hat. Im Jahre 1901 wird dazu aufgeführt: „… Aus der Pfarrei Ortenburg: HH Kaufmann Christian und Georg Jeggle 2 Schlipse, 2 Taschentücher, 1 Rest Stoff, Stoff zu einem Jaquet; Hr. Gutsbesitzer Gog 2 Säcke Kartoffeln; Hr. Buchbindermeister Gebeßler 2 Gesangbücher, 3 Weihnachtsengel; Hr. Kaufmann Eichberger 1 Dtzd. Britannia Esslöffel; Ungenannt 1 Korb Äpfel usw. …“

 

 

Die Haushaltungsschule

 

Bereits am 1. Oktober 1899 wurde im gleichen Gebäude eine Haushaltungsschule eröffnet, deren Schülerinnen zugleich die hauswirtschaftlichen Arbeiten im Konfirmandenhaus besorgten. Auch hier waren der rührige Ortspfarrer Schwindel unterstützt von den Diakonissen aus dem Augsburger Mutterhaus zusammen mit Pfarrer Nagel - Nürnberg und dem ökonomischen Verwalter, Kaufmann Bachmeyer aus Ortenburg, die treibenden Kräfte.

 Auch hier ging es um mehr als Berufsausbildung, hieß es doch:

 

Die Haushaltungsschule erteilt „theoretischen und praktischen Unterricht in allen Arbeiten einer soliden bürgerlichen Haushaltung. Sie läßt sich in  der diesbezüglichen Ausbildung ihrer Schülerinnen von anderen auf gleichem Niveau stehenden Anstalten nicht übertreffen, unterscheidet sich aber von ihnen dadurch, daß sie zugleich ein höheres Ziel verfolgt. Das Anerbieten, die aus dem Konfirmandenhause nach der Konfirmation austretenden Mädchen in den häuslichen Arbeiten zu unterrichten, soll möglichst viele Diasporafamilien bewegen, ihre Töchter der Konfirmandenanstalt zur religiösen Ausbildung zu übergeben.

 

Wie fruchtbar sich diese Initiative auswirkte, zeigt die Tatsache, dass 1914 für diese Haushaltungsschule das imponierende Gebäude errichtet werden konnte, das heute die Realschule beherbergt.

 

 

Der Brand

 

Es war nicht der erste Weltkrieg, sondern ein Brand, der am 19. Okt. 1921 das Gebäude in eine Ruine verwandelte. Das Ortenburger Wochenblatt schilderte die Geschehnisse:: Gestern früh ½ 9 Uhr erscholl plötzlich der Ruf „Feuer“; die Kirchenglocken schlugen an und das Feuerhorn ertönte, ohne, daß man nur den geringsten Feuerschein oder Rauch bemerkte. Der außergewöhnlich dichte Nebel war die Ursache, dass das im Dachboden des Konfirmandenhauses entstandene Feuer trotz der nächsten Nähe nicht sichtbar war. Die Bewohner der Anstalt erfuhren erst durch Vorübergehende, daß der Dachstuhl ihres Hauses über ihnen brenne. …“

Mit 6 Schlauchleitungen bekämpften die angerückten Wehren das Feuer.

„Jung und Alt aus allen Kreisen schleppten und schöpften unermüdlich Wasser zur dringend nötigen Speisung der Spritzen und beteiligten sich beim Ausräumen, denn bei dem Brande des ganzen Dachstuhls mit sämtlichen Mansarden drangen die zum Löschen nötigen Wassermengen selbstverständlich in die Schlafsäle und Zimmer des oberen Stockes und sogar auch noch teilweise in die Parterreräume.“

Personen kamen nicht zu Schaden, dagegen war der Gebäudeschaden beträchtlich.

 

Seit dieser Zeit hat der Bau die heute bekannte Dachform.

 

Im zweiten Weltkrieg wurde das Haus beschlagnahmt.

Der Trägerverein hatte es inzwischen der Landeskirche übereignet, um es nach Möglichkeit dem Zugriff des nationalsozialistischen Staates zu entziehen. Aus einem gleichsam von einer Bürgerinitiative getragenen Werk war nun eine Institution der Evang.- Luth. Kirche in Bayern geworden.

 

Nach dem Krieg führten Augsburger Diakonissen das Haus als segensreiche Einrichtung weiter. Immer mehr war aus der ursprünglichen „Konfirmandenhausarbeit“ die eines „Kinderheimes“ geworden, das Betreuung und gleichzeitigen Besuch der örtlichen Volksschule anbot.  Im Jahre 1971 wurden die Diakonissen vom Mutterhaus in Augsburg abberufen und das 

 

Kriegs- und Nachkriegszeit

 

Im zweiten Weltkrieg wurde das Haus beschlagnahmt.

Der Trägerverein hatte es inzwischen der Landeskirche übereignet, um es nach Möglichkeit dem Zugriff des nationalsozialistischen Staates zu entziehen. Aus einem gleichsam von einer Bürgerinitiative getragenen Werk war nun eine Institution der Evang.- Luth. Kirche in Bayern geworden. In den letzten Monaten des Krieges war das Konfirmandenhaus Kriegslazarett.

 

Ab dem 4. Oktober 1946 erhielt das Konfirmandenhaus wieder seine ursprüngliche pädagogische Funktion.

Augsburger Diakonissen hatten das Haus wieder übernommen. Durchschnittlich 50 Kinder, Mädchen und Jungen bewohnten nun wieder das Haus, das aber immer mehr zum „Kinderheim“ geworden war. Seit 1978 erhielt es deshalb die Anerkennung gemäß § 78 JWG und durfte nun offiziell auch Kinder aufnehmen, für die staatliche Erziehungshilfe wirksam wurde.

1970 berief das Mutterhaus in Augsburg seine Diakonissen zurück, „nicht etwa deshalb, weil sie nicht mehr gefragt waren, sondern weil das Mutterhaus auch diese Station kündigen musste, wie schon manche andere, weil einfach kein Nachwuchs da war, der diese Arbeit hätte weiterführen können und weil natürlich das Mutterhaus in erster Linie seine eigenen Häuser besetzen musste.“

Mit der Schließung eröffnete sich für die Evangelische Mädchenmittelschule Ortenburg die Chance, auch Knaben aufzunehmen und das Konfirmandenhaus von nun an als Internat für männliche Realschüler zu nutzen.

 

Vieles hat sich seit den alten Zeiten der "Bayerischen Konfirmandenanstalt" geändert. Was bis heute unverändert gilt, ist, dass das Haus eine Stätte des Dienstes an Jugendlichen ist und damit zugleich Familien pädagogische Hilfestellung leistet.

 

Als Internatsgebäude enthält es nach Umbau und Verwirklichung eines neuen pädagogischen Konzeptes im Jahre 1982 inzwischen drei familienähnliche Wohngruppen und zahlreiche Freizeiträume.

 

Die konfessionelle Situation der evangelischen Minderheitschristen hat sich in den letzten Jahren grundlegend  geändert. „Evangelische Kinder werden in den Schulen Ostbayerns nicht mehr diskriminiert und nur wenige werden nicht vom organisierten Religions- und Konfirmandenunterricht erreicht. Aus dem Gegeneinander ist vielerorts ein respektvolles Nebeneinander, ja nicht selten ein brüderliches Miteinander geworden, in dem man darin wetteifert, zu tun, was Gott heute von uns will.

 

Gerade in dieser Situation bedeutet es für die evangelischen Gemeinden Niederbayerns viel, eine Einrichtung in ihrer Mitte zu haben, in der sich christlicher Glaube nach evangelischem Verständnis ein Stück weit entfalten kann zum Wohl junger Menschen.“ (Albert Strohm)

 

 

Klaus Engel

November 2003                                        

 

 

ICH WILL DICH SEGNEN, UND DU SOLLST EIN SEGEN SEIN

 l. Mose 12, 1.2                                                                                                                              

 

Alte Inschrift an der Ostfassade des Konfirmandenhauses